Dorothea Marcus

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Seit über zwanzig Jahren bin ich Kulturjournalistin, vornehmlich Theaterkritikerin. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass das Theater die demokratische, diskursive Kulturform der Zukunft ist: nichts ist elektrisierender für mich als das einsame Gemeinschaftserlebnis im Theater und der anschließende Austausch darüber. Je politischer, wahrnehmungserweiternder, diverser – desto besser. Daher interessieren mich auch vor allem alle Formen des politischen Theaters und jene Formate, die über das Theater hinausweisen: im Museum, im Film, in der Literatur.

Als Kind hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich von meinem Traumberuf einst würde leben könnte. Dabei wollte ich schon mit zehn Jahren Journalistin werden. Damals verfasste ich Zeitungen für meine Geschwister. Später, als ich Germanistik und Geschichte in Berlin studierte, entdeckte ich dann meine Liebe: Mit meiner besten Freundin erlebte ich nach dem Mauerfall eine Zeit, die mit der Berliner Volksbühne Theaterhistorie schrieb. Wir diskutierten uns nach den Vorstellungen die Köpfe heiß und dachten „Wir sollten Kritiken schreiben“. Was ich heimlich auch tat. Praktika brachten mich zu ARTE nach Straßburg und nach Paris an die Kulturbehörde AFAA (France Culture), wo ich nach Herzenslust weiter das tun konnte, woraus mein Beruf immer noch vornehmlich besteht: ins Theater gehen. Über Theater sprechen. Theater zu verstehen und zu vermitteln. Zuweilen drei-viermal in der Woche. Auch meine Diplomarbeit waren die „Unterschiede und Gemeinsamkeiten im deutschen und französischen Theater“.

Meine Schubladen-Kritiken halfen mir, ein Volontariat in der Redaktion der Ludwigsburger Schlossfestspiele zu erhalten, ein erster Eindruck von meinem Traumberuf Kulturjournalistin. Dort lernte ich das journalistische Handwerk. Als ich ab 1999 in Freiburg lebte, fügte sich endlich alles zusammen: ich wurde Theaterkritikerin für die Badische und die Basler Zeitung sowie den Südwestrundfunk. Zugleich knüpfte ich Kontakte zu DLF und WDR, schrieb für überregionale Zeitungen, so dass ich 2005 den Sprung nach Köln wagte. Hier bin ich angekommen – auch beruflich, schreibe, moderiere, unterrichte das Schreiben und glaube vor allem daran, dass Kultur den Horizont erweitert und Menschen inspiriert und zusammenbringt.